Kaum ein Baustoff ist so vielseitig einsetzbar wie die Gipskartonplatte. Sie wird im Wohnungsbau, bei der Sanierung von Altbauten und im gewerblichen Innenausbau gleichermassen verwendet. Doch obwohl das Material allgegenwaertig ist, gibt es bei Verarbeitung und Auswahl viele Details, die ueber das Ergebnis entscheiden.
Wie ist eine Gipskartonplatte aufgebaut?
Eine Gipskartonplatte besteht aus einem Gipskern, der beidseitig von einer speziellen Kartonschicht umhuellt wird. Der Karton sorgt fuer die Zugfestigkeit, der Gipskern fuer die Druckfestigkeit und das Brandverhalten. Die Kanten werden je nach Plattentyp als Verjuengungskante (VK), Halbverjuengungskante (HVK) oder Normalkante (NK) ausgefuehrt – das ist wichtig fuer die spaetere Fugenbearbeitung.
Plattentypen und ihre Erkennungsfarben
Weisse Standardplatte
Die Standardplatte in weiss ist die Basisvariante fuer trockene Innenraeume. Sie ist kostenguenstig, leicht verarbeitbar und in allen gaengigen Groessen und Staerken verfuegbar. Typische Anwendung: Wohnzimmerwaende, Schlafzimmerdecken, Buerotrennwaende.
Gruene Feuchtraumplatte
Die gruene Platte ist mit einem hydrophobierenden Mittel ausgestattet, das das Eindringen von Spritzwasser verlangsamt. Sie eignet sich fuer Bader, Kuechen und Waschkeller. Achtung: Sie ist nicht wasserdicht. In Duschen und Wannenbereichen muss zusaetzlich eine Abdichtung aufgebracht werden.
Rote Brandschutzplatte
Die rote oder rosafarbene Platte enthaelt Glasfasern im Kern, die das Auseinanderfallen bei Hitze verzoegern. Sie erhaelt hoehste Bedeutung in Bereichen, die laut Bauordnung einen definierten Feuerwiderstand erfordern: Fluchttreppenhaeuser, Heizraeume, Abschottungen von Versorgungsschachten.
Blaue oder schwarze Spezialplatten
Fuer besondere Anforderungen gibt es Platten mit Impraegnierung gegen Schimmel (blau), mit erhoehter Flaechemasse fuer Schallschutz oder mit glasfaserverstaerktem Kern fuer Feuchtbereiche im Kombination (GKFI + GKF). Manche Hersteller bieten auch luftreinigende Platten an, die geruchsneutralisierende Eigenschaften haben.
Staerken richtig waehlen
Die Plattenstaerke beeinflusst Traglast, Schallschutz und Biegeradius. Fuer eine einfach beplankte Standardwand reicht 12,5 mm. Soll die Wand zweilagig beplankt werden, empfiehlt sich die Kombination 12,5 mm plus 9,5 mm – so steigt der Schallschutzwert merklich. Fuer schwere Wandmontagen (Kuechen, schwere Spiegel) empfiehlt sich eine 15-mm-Platte oder eine Lage aus Holzwerkstoff an der entsprechenden Stelle.
Verarbeitung: Schritt fuer Schritt
Nach der Montage der Unterkonstruktion werden die Platten mit Trockenbauhrauben befestigt. Schraubenabstand: alle 25 cm bei Wandbeplankung, alle 17 cm bei Decken. Schrauben muessen minimal unter die Oberflaeche eingesenkt sein, ohne den Karton durchzubohren. Fugen werden mit Fugenspachtel gefuellt, mit Armierungsgewebe verstaerkt und nach dem Trocknen glatt geschliffen. Erst dann kommt der Grundierfarbanstrich, der den poroesen Gipskern versiegelt und einen gleichmaessigen Farbanstrich ermoeglicht.
Haeufige Fehler und wie man sie vermeidet
Schrauben zu tief eindrehen: Der Karton reisst, die Haltekraft sinkt. Fugen nicht armierten: Risse entstehen bei Setzung des Gebaeudes. Grundierung vergessen: Die Farbe saugt ungleichmaessig ein und das Ergebnis ist fleckig. Falsche Platte fuer feuchten Bereich: Schimmel und Durchfeuchtung sind die Folge. All diese Fehler sind durch sorgfaeltige Vorbereitung und die richtige Materialwahl vermeidbar.